Eine der grössten Residenzen Europas

Barockschloss Mannheim

Ideal und Wirklichkeit

Die Planstadt

Mannheim

Als Bollwerk protestantischen Glaubens und Zufluchtstätte für Glaubensflüchtlinge diente die Stadt ebenso wie als aufstrebender Handelsplatz der Kurpfalz. Mannheim steht am Anfang einer Reihe von barocken Planstädten im deutschen Südwesten: Freudenstadt, Rastatt, Ludwigsburg und Karlsruhe.

Mannheim heute aus der Luft; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Lutz Hecker

Noch heute zu sehen: geometrische Muster als Grundlage.

Die „Quadratestadt“ entsteht

Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz (1574–1610) beauftragte den holländischen Festungsarchitekten Bartel Janson mit der Planung seiner Idealstadt. Bartel Janson folgte den für Planstädte geltenden Idealen, die stark von militärischen Aspekten geprägt waren. Er entwarf das für Mannheim bis heute so charakteristische regelmäßige System aus geometrischen Formen: Es besteht aus parallelen, rechtwinklig sich kreuzenden Straßen mit gleichförmigen Baublöcken.

Die Friedrichsbug, Ausschnitt aus einem Kupferstich von Stadt und Zitadelle, 17. Jahrhundert; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Andrea Rachele

Die Residenz Friedrichsburg.

Eine Zitadelle als „Kopf“

Umgeben war die Stadt mit einem breiten sternförmigen Festungsgürtel aus vorspringenden Bastionen. Am nördlichsten Punkt dieses Festungssterns wurde eine Zitadelle als zweiter Festungsstern hinein geschoben. Sie beherbergte die Residenz für Kurfürst Friedrich IV., die nach ihm „Friedrichsburg“ benannt wurde. In dieser Zitadelle waren die Gebäude ringförmig angeordnet und von Straßen, die strahlenförmig vom Mittelpunkt ausgingen, getrennt.

Friedrich IV. von der Pfalz, Figur an der Fassade des Friedrichbaus, Schloss Heidelberg; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Landesherr und protestantischer Stadtgründer Mannheims.

Offen für Glaubensflüchtlinge

Am 17. März 1606 legte Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz den Grundstein der Festung. Ein Jahr später verlieh er Mannheim die Stadtprivilegien, um dessen Entwicklung zu fördern. In den nächsten Jahrzehnten wurden protestantische Glaubensflüchtlinge aus Frankreich und Belgien aufgefordert, sich in der neuen Stadt anzusiedeln. Dafür sprachen nicht nur religiöse, sondern auch wirtschaftliche und machtpolitische Gründe: Die politische Macht eines Territoriums sah man in Abhängigkeit von der Bevölkerungszahl. Daher war die „Peublierung“ eine wichtige Maxime der Landesherren.

Vor der Vollendung zerstört

Wie viel von Bartel Jansons Plänen tatsächlich verwirklicht worden war, ist heute unklar. Denn 1622, während des Dreißigjährigen Krieges, wurden Stadt und Festung zerstört. Der Wiederaufbau in schlichterer Form erfolgte unter Kurfürst Karl I. Ludwig, einem Enkel des Stadtgründers. 1689, im Pfälzischen Erbfolgekrieg, zerstörten französische Truppen Mannheim erneut. Kurfürst Johann Wilhelm beschloss 1699, die Stadt wieder aufzubauen. Allerdings verzichtete er darauf, die Zitadelle neu anzulegen. So konnte auf dem Areal der ehemaligen Zitadelle ab 1720 das Barockschloss Mannheim entstehen – eines der größten Schlösser Europas.

Das Barockschloss entstand anstelle der zerstörten Zitadelle.

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