Die Frankenthaler Manufaktur Chinoiserien aus Porzellan

1755 erteilte Kurfürst Carl Theodor dem Straßburger Porzellanfabrikanten Paul Anton Hannong das Privileg, in Frankenthal eine Manufaktur aufzubauen. Zu ihren Produkten gehören auch Werke, die von asiatischen Vorbildern inspiriert sind. In Schloss Mannheim sind die Keramiken zu besichtigen.

Barockschloss Mannheim, Laubengang mit Chinesen

Chinesischer Pavillon mit zwei Chinesen.

EINE KURFÜRSTLICHE MANUFAKTUR

Die Manufaktur in Frankenthal von Paul Anton Hannong (1700‒1760) war die siebte Gründung in Deutschland. Erst 1708 entdeckte Johann Friedrich Böttger in Meißen die Rezeptur von Porzellan. Damit ließ sich das weiße Gold auch in Europa herstellen. Drei kurfürstliche Hofbildhauer gehörten zu den Modellmeistern: Franz Conrad Linck, Adam Bauer und Johann Peter Melchior. Hauptaufgabe der Manufaktur waren Produkte für die höfische Tafel: festliche Services, kunstvolle Figurengruppen und opulente Tischaufsätze.

Barockschloss Mannheim, Detailansicht chinesisches Teehäuschen

Das chinesische Teehäuschen mit einem Drachen auf dem Dach.

CHINESISCHE INSPIRATION

Unter den filigranen Porzellanobjekten gab es eine Reihe Chinoiserien. Die chinesisch inspirierten Modelle entwarf Johann Wilhelm Lanz, der bereits in Straßburg für Paul Hannong tätig war. Als Vorlage für seine Teehäuschen mit Drachen auf dem Dach diente vermutlich ein Gebäude im Garten von Schloss Oggersheim. Lanz hatte es dort entweder selbst im Schlossgarten gesehen oder er kannte die Entwürfe des Architekten Paul Egells: Sie befanden sich im Besitz von Kurfürst Carl Theodor.

Barockschloss Mannheim, Detailansicht Chinesenpaar mit Artischocke

Chinesenpaar mit Artischocke.

NEUES MATERIAL FÜR DEN TISCH

Nachdem man in Europa selbst Porzellan herstellen konnte, stieg die Nachfrage an den Höfen im Barock entsprechend. Als Tischdekoration nutzte man gerne Figurengruppen und Tafelaufsätze aus Porzellan. Die Porzellanobjekte lieferten viel Gesprächsstoff für die geladenen Gäste: Sie konnten neben dem Essen ihr Wissen zur Schau stellen. Besonders beliebt waren Gottheiten aus der antiken Mythologie und exotische Figuren. Ein Beispiel, das noch in Mannheim zu sehen ist: das Chinesenpaar mit Artischocken.

Schon immer zeichnete sich Europa durch sein Interesse an der Welt und ihren Schätzen aus. Kenntnisse und Kostbarkeiten aus der Fremde erweiterten den Horizont und beeinflussten Kunst, Kultur und Wissenschaft. Die Themenwelt „Exotik“ zeigt das europäische Verlangen nach Exotik in seinem ganzen Facettenreichtum.

Exotik. Faszination & Fantasie