One of the largest historic residences in Europe

Mannheim Baroque Palace

Besucher in Schloss Mannheim; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Niels Schubert
Rekonstruktionen mit Augenmass

Die Wiedereinrichtung

Mehr als zehn Jahre arbeiteten Architekten, Kunsthistoriker und Restauratoren an der Wiedereinrichtung von Schloss Mannheim. Heute erstrahlt die ehemalige Residenz der Kurfürsten von der Pfalz in neuem Glanz.

Zerstörter Rittersaal nach Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg, Schloss Mannheim; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Nach 1945 war von der Pracht nicht viel übrig.

Der Auftrag zur Wiederbelebung

1990 erhielt die baden-württembergische Schlösserverwaltung den Auftrag, Schloss Mannheim zu neuem Leben zu erwecken. Eingerichtete Schlossräume sollten als Raumkunstwerk Geschichte und Funktion einfach und lebendig erklären. Von der einstigen Pracht war jedoch nach den Kriegszerstörungen kaum etwas übrig geblieben. Anstelle des kurfürstlichen Hofes residierte hier nun die Mannheimer Universität. Nur das prunkvolle Treppenhaus, Ritter-, Cour- und Trabantensaal waren in den 1950er-Jahren rekonstruiert worden.

Eine Waschschüssel aus Sèvres um 1806 in Schloss Mannheim; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Auf verschiedene Orte verteilt: originale Möbel aus Mannheim.

Auf der Suche nach Originalen

Anhand alter Inventarbücher konnten originale Einrichtungsstücke aus Mannheim ermittelt werden. Sie hatten inzwischen ein neues Zuhause in den Schlössern Schwetzingen oder Bruchsal gefunden oder wurden im Badischen Generaldepot in Karlsruhe aufbewahrt. Als Glücksfall erwies sich zudem eine Versteigerung von Kunstgut aus dem Besitz des markgräflichen Hauses Baden. Lang verschollen geglaubte Objekte kamen ans Tageslicht und konnten für eine spätere Präsentation in Schloss Mannheim angekauft werden.

Ausschnitt aus „Kirmes“, Tapisserie von Caspar van der Borght, Brüssel; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Wertvolle Wandteppiche sind zurückgekehrt.

Prunkräume wieder hergestellt

Die Universität Mannheim konnte ihre Bibliotheken im wieder hergestellten Mansarddach unterbringen. So wurden die ehemaligen Schlossräume im repräsentativen Hauptgeschoss frei. Architekten erstellten Baupläne mit den alten Grundrissen und Wandgliederungen. Ab 2003 begannen die Bauarbeiten. Historische Raumteilungen wurden weitgehend wieder hergestellt. Behutsam erhielten die Räume neue Wanddekorationen. Dabei wurde zwischen originalem Befund und abstrakter Rekonstruktion unterschieden.

Blauer Salon von Schloss Mannheim;  Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Dirk Altenkirch

Das Schloss Mannheim erstrahlt in neuem Glanz.

„Wachgeküsst!“

Mit Hilfe der Schlossinventare und alter Fotografien konnten 800 Einrichtungsstücke ihren angestammten Plätzen zugeordnet werden. Die wertvollen Tapisserien, die man die letzten 80 Jahre verloren geglaubt hatte, kehrten – aufwendig restauriert – nach Mannheim zurück. Die mächtigen Kristalllüster, rekonstruiert nach einer Zeichnung von 1810, bringen seither die Prunkräume zum Leuchten. 2007, zum 400-jährigen Stadtjubiläum, hieß es „Wachgeküsst!“ und die Neueröffnung des Mannheimer Schlosses wurde gefeiert.

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