Erstes Vorzimmer in Schloss Mannheim; Foto: Firma Hermann

Barocke Fassaden, wechselnde Räume

Stilgeschichte

Schloss Mannheim entstand im Barock und so präsentiert es sich bis heute: ein Stein gewordenes Symbol der Macht. Im Inneren veränderten die nachfolgenden Generationen die Ausstattung, vom barocken Zustand über Rokoko und Klassizismus bis zum Historismus im 19. Jahrhundert.

Treppenhaus in Schloss Mannheim; Foto: Firma Hermann

Das Schloss bot Platz für höfische Zeremonien.

Barock: die Zeit von Kurfürst Carl Philipp

Zwischen 1720 und 1742 baute Kurfürst Carl Philipp im Barockstil die weitläufige Anlage als seine Bühne für Zeremoniell und Repräsentation. Typisch für die Zeit ist die unverstellte Demonstration der Macht: Das Schloss beherrscht die ganze Stadt. Fassaden und Dächer des Schlosses tragen Wappen, Monogramme und Trophäen – alles Hinweise auf den hohen Stand des Schlossherrn im Reich. Die Innenräume waren mit aufwendigen Stuckdecken und heroischen Deckengemälden ganz auf Repräsentation angelegt.

Rokoko: die Zeit von Carl Theodor und Elisabeth Auguste

Von 1742 bis 1760 baute Kurfürst Carl Theodor weiter am Schloss. Ab 1750 ließ er Räume im Stil des Rokoko ausstatten. Einige Möbel aus dieser Zeit sind heute wieder im Schloss zu sehen. Die heute noch erhaltene Kabinettsbibliothek der Kurfürstin Elisabeth Augusta von 1755 zeigt Rokoko auf höchstem Niveau. Der Raum ist als Ganzes entworfen. Elegante Ornamente und pastellfarbene Malereien fügen sich zum typischen Eindruck der spielerischen Leichtigkeit.

Porträtkartuschen im Bibliothekskabinett von Schloss Mannheim
Porträtkartuschen im Bibliothekskabinett von Schloss Mannheim

Zierliche Rokoko-Kartuschen schmücken das Bibliothekskabinett.

Musikzimmer in Schloss Mannheim; Foto: Dirk Altenkirch

Stéphanie mochte elegante Möbel im Empire-Stil.

Klassizismus unter Grossherzogin Stéphanie

1806 zog Stéphanie, die Adoptivtochter Napoleons, zusammen mit ihrem Mann, dem badischen Thronfolger Carl, ins Schloss. Mit ihr kamen die kaiserlichen Vorbilder des französischen Empire nach Mannheim. Großzügige Formen, die sich an antike Architektur anlehnen, bestimmen Räume und Ausstattung: Säulen und strenge Ornamentfriese wie von einem griechischen Tempel. Als Material herrscht warm schimmerndes Mahagoniholz, vergoldetes Messing und an den Wänden farbige Damastbespannung vor.

Bibliothekskabinett in Schloss Mannheim, historische Aufnahme um 1897

Ein neuer Geschmack brachte neue Möbel.

Historismus ab 1840

Großherzogin Stéphanie lebte so lange im Mannheimer Schloss, dass sie in ihrer späteren Witwenzeit schon die nächste Stilphase der Architektur und Möbelkunst mitmacht. Ab 1840 zieht der Historismus ein, der Stil des 19. Jahrhunderts, der Vorbilder früherer Epochen verarbeitet und nachahmt. Die Möbel werden wieder runder und üppiger, sie greifen sogar auf barocke Formen zurück. So konnte man zum Teil auch Mobiliar des 18. Jahrhunderts einfach neu streichen, aufpolstern und wieder einsetzen.

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