Bildnis von Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz, Mitte des 18. Jahrhunderts

Kurpfälzischer Brandschutz

Der Blitzableiter

Dem Interesse des Kurfürsten Carl Theodor von der Pfalz ist es zu verdanken: Die kurpfälzischen Schlösser und Pulvertürme waren seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert vor Blitzeinschlägen geschützt. Der „Hemmer‘sche Fünfstern“ sorgte für den nötigen Schutz.

Besucher vor dem Schloss Mannheim; Foto: Firma Hermann

Carl Theodor: ein aufgeklärter Fürst.

Ein Freund der Wissenschaften

Carl Theodor zählte zu den aufgeklärten Fürsten des 18. Jahrhunderts und war zeit seines Lebens ein großer Förderer der Wissenschaften. Auch physikalische Studien hatten es ihm angetan. 1760 ließ er für den Jesuitenpater Johann Jakob Hemmer ein physikalisches Kabinett im Mannheimer Schloss einrichten. Hier experimentierte Hemmer nach dem Vorbild Benjamin Franklins mit elektrischer Ladung und Entladung.

Rathaus Mannheim 1840 nach Joseph Maximilian Kolb

Ein Blitzableiter für alle Gebäude.

Der „Hemmer‘sche Fünfstern“

1769 fiel der Schwetzinger Marstall einem Blitzeinschlag zum Opfer. Carl Theodor folgte nun dem Rat Hemmers, alle Schlösser und Pulvertürme in der Kurpfalz mit Blitzableitern zu versehen. Der Wissenschaftler hatte einen „Fünfstern“ entwickelt: An einer senkrechten Stange ist ein waagerechtes Spitzenkreuz befestigt. Wegen der fünf sternförmig angeordneten Spitzen wurde der Blitzableiter „Hemmer‘scher Fünfstern“ genannt. Er ist heute noch auf den Dächern von Schloss Schwetzingen zu sehen.

Ansicht von Schloss Schwetzingen mit Blitzableiter

Noch heute auf Schloss Schwetzingen zu sehen.

Kuriose Blitzableiter

Nachdem die Residenz nach München verlegt worden war, stattete Hemmer weitere Schlösser im Herrschaftsgebiet Carl Theodors aus: Sowohl die alte Residenz in Düsseldorf als auch Schloss Nymphenburg und 1783 auch Schloss Mannheim wurden mit dem fünfspitzigen Blitzableiter gesichert. Doch Hemmer konstruierte auch so manchen kuriosen Blitzableiter: Ein „Blitzschirm“ und ein „Blitzspazierstock“ – jeweils mit langen Eisenspitzen versehen – sollten beim Spaziergang im Gewitter vor den gefährlichen Einschlägen schützen.

Audienzzimmer im Barockschloss Mannheim

Carl Theodor förderte die Wissenschaften.

Meteorologische Forschungen

In Schloss Mannheim gab es auch eine kleine meteorologische Station. Täglich wurden hier Wetterlage, Windrichtung, Windgeschwindigkeit, Temperatur und Luftfeuchtigkeit gemessen. Außerdem ließ Carl Theodor aus seiner Privatschatulle 39 Wettermessstationen in ganz Europa einrichten und die Werte um 7, 14 und 21 Uhr Mannheimer Zeit ablesen. Die 1780 gegründete „Kurpfälzische Meteorologische Gesellschaft“ nutzte diese Daten für Wettervorhersagen.

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