„… die neue Prinzessin hat gestern, als sie die Aufwartung von uns annahm, allgemein überrascht und jedermann für sich gewonnen.“ So resümierte der badische Kirchenrat und Schwetzinger Dichter Johann Peter Hebel 1806, als er die junge, badische Erbprinzessin am Tag nach ihrer Ankunft aus Paris in Karlsruhe kennen lernte. So sehr die badischen Untertanen von ihrer charmanten Ausstrahlung und ihrem schlichten, aber eleganten Auftreten begeistert waren, so feindschaftlich standen ihr zunächst ihre neuen Verwandten gegenüber, die Stéphanie als nicht standesgemäß missbilligten.
Stéphanie Louise Adrienne de Beauharnais war am 28. August 1789 in Versailles als Tochter eines Hauptmanns geboren worden. Ihre Mutter verstarb bereits 1791, ihr Vater kümmerte sich nicht weiter um sie. Die kleine Stéphanie verbrachte daher ihre Kindheit und Jugend bei unterschiedlichen Personen. 1803 wurde Napoléon Bonaparte (1769-1821) auf sie aufmerksam, als er erfuhr, dass es in Südfrankreich eine – wenn auch entfernte – Verwandte seiner Frau gab. Er befahl sie zunächst nach Paris, ließ sie hier standesgemäß ausbilden und adoptierte sie. Seine Heiratspolitik brachte sie schließlich an den badischen Hof. Die Vermählung einer napoleonischen Prinzessin mit dem Erbprinzen von Baden war für beide Fürstenhäuser von Interesse. Sie besiegelte und festigte das französisch-badische Bündnis, sie sicherte dem badischen Fürstenhaus den Titel der Großherzöge und vergrößerte durch die immense Mitgift der Braut das Territorium Badens. Diesen Vorteilen musste sich letztendlich auch die Mutter des Bräutigams, Markgräfin Amalie, beugen. Sie hatte ihre Töchter mit Söhnen aus den angesehensten deutschen und europäischen Fürstenhäusern verheiratet und haderte lange damit, dass ausgerechnet ihr einziger Sohn, der Thronfolger Badens, eine Französin von nicht ebenbürtigem Stand heiraten sollte.
In diesem Spannungsfeld zwischen politischen Hoffnungen und persönlichen Enttäuschungen fand am 8. April 1806 die Hochzeit zwischen Stéphanie und Carl Ludwig Friedrich (1786-1818) statt. Als Residenz für das junge Paar war Schloss Mannheim vorgesehen, wo man ihnen einen überaus herzlichen Empfang bereitete. Mannheim war 1803, als die Kurpfalz nach den französischen Koalitionskriegen im Zuge des Reichsdeputationhauptschlusses aufgelöst worden war, zusammen mit Heidelberg, Schwetzingen und den gesamten rechtsrheinischen Gebieten dem Großherzogtum Baden zugeschrieben worden. Gemeinsamer Wohnsitz wurde das Mannheimer Schloss jedoch nicht. Carl hielt sich überwiegend in Karlsruhe auf und Stéphanie hatte seit 1807 in Mannheim eine eigene Hofhaltung.
Im Jahre 1811 wurde Carl Großherzog von Baden. Nach einer Ermahnung Napoléons, dass es die Aufgabe der Großherzogin sein, bei ihrem Mann zu leben, gab Stéphanie ihre Hofhaltung in Mannheim auf und zog zu ihrem Gatten ins Karlsruher Schloss. In der Tat besserte sich das Eheverhältnis und Stéphanie brachte ihre erste Tochter zur Welt. Ein Jahr später folgte ein Thronfolger, der jedoch kurz nach der Geburt starb. Der gemeinsame Schmerz um den Verlust ihres Sohnes verband das Ehepaar immer stärker. „Der Großherzog fing in jener Zeit an, seine Gemahlin zu lieben und suchte alles zu tun, was ihr Freude machte“, notierte eine Hofdame. Als Carl nach der Verbannung Napoléons, als Zeichen der Abwendung von Napoléon, die Möglichkeit hatte, sich von Stéphanie zu trennen, lehnte er ab. Dem Ehepaar war aber nicht mehr viel Zeit gegönnt. Carl kehrte vom Wiener Kongress (1814-15) krank zurück. Stéphanie kümmerte sich aufopferungsvoll um ihren Gatten. Daneben war sie in immer stärkerem Maße karitativ tätig. Sie erwarb sich, nachdem sie durch die Verbannung Napoléons den Titel „Kaiserliche Hoheit" verloren hatte, den Ehrennamen „die gute Großherzogin“. Als ihr Mann im Alter von 32 Jahren starb, lebten drei Töchter, aber keinen Thronfolger. Erbberechtigt war daher ein Bruder des Vaters von Carl Ludwig Friedrich, Ludwig I von Baden.
Stéphanie bekam 1819 – entsprechend den Regelungen ihres Ehevertrags von 1806 – Schloss Mannheim als Witwensitz zugewiesen. Man richtete ihr ein Appartement sowie eine Wohnung für den Winter ein. In ihrer mehr als 40 Jahre währenden Witwenzeit widmete sie sich ihren vielseitigen kreativen, musischen und geistigen Interessen und pflegte regen Austausch mit Gleichgesinnten. Bereits 1814 hatte sie einen „Frauenverein zur Unterstützung kranker und verwundeter Krieger“ ins Leben gerufen. Mit der Gründung des Vereins zur „Unterstützung arbeitsunfähiger Armer“ sowie der weiterer Wohltätigkeitsvereine führte sie ihr soziales Engagement fort. Sie starb am 29. Januar 1860 und ist in der Fürstengruft in Pforzheim begraben.
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