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Der Schlossherr: Kurfürst Carl Theodor von Pfalz-Bayern
(1724-1799)

Carl Theodor von Pfalz-Sulzbach erblickte am 11.12.1724 nicht in einem prunkvollen Palast das Licht der Welt, sondern im bescheidenen kleinen Schloss Drogenbusch bei Brüssel. Er war das erste Kind im Hause Pfalz-Sulzbach, einer Nebenlinie der pfälzischen Wittelsbacher, die seit 1614 ein unbedeutendes Territorium regierte.

Doch durch den Tod von Carl Theodors Eltern und eine Reihe weiterer Todesfälle im Hause Pfalz-Neuburg, der Hauptlinie der pfälzischen Wittelsbacher, hatte sich die Situation komplett geändert: Carl Theodor war überraschend zum Erben der Kurpfalz und zum Nachfolger des über 70-jährigen Kurfürsten Carl Philipp geworden. 1732 kam der Erbprinz nach Mannheim. Dort erhielt er Unterricht durch die Jesuiten in Sprachen, Geschichte, Fortifikationswissenschaften, Staatstheorien, katholische Lehre, Musik und Zeichenunterricht – eine sorgfältige Erziehung, die ihn auf seine Aufgaben als Landesherr vorbereiten sollte. Der alte Kurfürst Carl Philipp hatte auch schon eine geeignete Frau für Carl Theodor ausgesucht: Noch im Kindesalter wurde er mit der Prinzessin Elisabeth Auguste von Pfalz-Sulzbach verlobt. Durch diese dynastische Verbindung sicherte der Kurfürst seiner Enkelin Elisabeth Auguste, die als Frau die Kurwürde nicht erben konnte, trotzdem den Titel und Rang einer Kurfürstin von der Pfalz.

Der junge Carl Theodor, als Kind seiner gewohnten Umgebung entrissen, blieb während Carl Philipps Regierungszeit fremd in Mannheim. Der alte Kurfürst bevorzugte seine Enkelinnen, Elisabeth Auguste und ihre beiden Schwestern. Carl Theodor wurde verschlossen, melancholisch.

Am 17. Januar 1742, dem 21. Geburtstag Elisabeth Augustes, wurde die Vermählung der beiden gefeiert. Im gleichen Jahr starb der alte Kurfürst: Der gerade 18-jährige Carl Theodor wurde zum Herrscher über einen weit verstreuten Länderkomplex, der von den Niederlanden bis an die Donau reichte. Ein kompliziertes Erbe! Im Zentrum lag das Kurfürstentum Pfalz mit seiner Haupt- und Residenzstadt Mannheim. Große Teile dieses Landes litten noch immer unter den Folgen des Pfälzischen Erbfolgekrieges (1688-1697). Die niederrheinischen Herzogtümer Jülich und Berg sowie Neuburg waren durch eine frühe Industrialisierung wohlhabender und besser situiert. Hier musste Carl Theodor seine Macht mit dem selbstbewussten landsässigen Adel teilen. Zudem stellte sich die religiöse Situation in der Kurpfalz als sehr schwierig dar: Die Mehrheit der Bevölkerung war protestantisch, der Kurfürst aber, wie seine Vorgänger, überzeugt katholisch. Hinzu kamen finanzielle Schwierigkeiten: Der Österreichische Erbfolgekrieg (1740-48) verheerte das Land, die Staatseinnahmen sanken und sein Vorgänger, Kurfürst Carl Philipp, hatte einen beträchtlichen Schuldenberg hinterlassen. Der junge Kurfürst, im Charakter unentschlossen, nahm seine Regierungsaufgaben sehr ernst und machte sich Entscheidungen nicht einfach. Dennoch war er anfangs häufig von verschiedenen Beratern abhängig und nicht zuletzt auch von der Kurfürstin. Sie verstand es, ihren Einfluss auf ihn und auf die Politik der Kurpfalz mit großer Energie durchzusetzen. Als Enkelin des alten Kurfürsten genoss sie besonderes Ansehen.

Carl Theodor glänzte stattdessen – selbst hoch gebildet – durch seine Förderung der Künste, sein Interesse an Büchern und den Wissenschaften. Er erteilte trotz hoher Verschuldung dem Hofarchitekten Nicolas de Piage den Auftrag, das noch unfertige Schloss in Mannheim zu vollenden. Mannheim entwickelte sich unter seiner Regierung zu einem kulturellen Zentrum von europäischer Bedeutung. Ab 1760 fand die Aufklärung Eingang in die Gedankenwelt des katholischen Fürsten: Zweimal war Voltaire Gast am Mannheimer Hof. Carl Theodor strebte sogar an, seine Untertanen für das Gedankengut der Aufklärung zu begeistern. So eröffnete er 1763 eine Akademie der Wissenschaften, machte die Hofbibliothek allgemein zugänglich und öffnete die kunst- und naturwissenschaftlichen Sammlungen des Hofes für ein interessiertes Publikum. Der aufklärerische Absolutismus Carl Theodors blieb allerdings zwiespältig – sein Land war zu zersplittert, um wirklich flächendeckend große Reformen durchführen zu können.

Aus der Ehe – die sich wohl als persönliche Katastrophe gestaltete: sie extrovertiert und leichtlebig, er melancholisch und verschlossen – ging kein Thronfolger hervor. Nur aus den Verbindungen mit verschiedenen Mätressen hatte Carl Theodor sieben uneheliche Kinder. Nach dem Tod seiner Gemahlin 1794 heiratete der 71-jährige Kurfürst ein zweites Mal: die 17-jährige Erzherzogin Maria Ludovika von Österreich-Este. Doch auch in dieser Ehe blieb der lang ersehnte Thronfolger aus.

Der Tod des letzten bayerischen Wittelsbachers 1777 bedeutete eine tief greifende Veränderung: Carl Theodor trat laut den Erbverträgen seine Nachfolge als Kurfürst von Bayern an – mit der Pflicht, in München zu residieren. In Bayern stieß Carl Theodor auf eine Mauer der Ablehnung. 1788 eskalierten die Unruhen in der Bevölkerung so sehr, dass der Kurfürst Angst um sein Leben haben musste und für ein dreiviertel Jahr von München nach Mannheim flüchtete.

Die napoleonischen Kriege brachten die Kurpfalz in Gefahr: Der Kurfürst konnte trotz Neutralität die Besetzung des linksrheinischen Teils der Kurpfalz durch französische Truppen nicht verhindern. Die Auflösung der Kurpfalz 1803 und die Übergabe der rechtsrheinischen Teile an das Großherzogtum Baden erlebte Carl Theodor nicht mehr, denn er starb 1799. Sein Mannheimer Schloss wurde ab 1806 Residenz des Erbgroßherzogs Karl von Baden und seiner Frau Stéphanie de Beauharnais, einer Adoptivtochter Napoleons.

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