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Die historische Kurpfalz

Wer heute von der "Kurpfalz" spricht, bezeichnet damit meistens den Raum um Heidelberg und Mannheim. Die historische Kurpfalz umfasste aber ein Kerngebiet, das sich auf beiden Seiten des Mittelrheins vom Hunsrück im Nordwesten bis zum Odenwald im Osten erstreckte. Des weiteren gehörten auch entferntere Gebiete wie die bayerische Oberpfalz zum kurpfälzischen Hoheitsgebiet. Heute verteilen sich die Gebiete der historischen Kurpfalz auf die Bundesländer Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Saarland, Hessen und Bayern.

In der Geschichte des Heiligen Römischen Reichs hat die Kurpfalz mehr als 600 Jahre eine bedeutende Rolle gespielt, bis sie 1803 ihre Eigenstaatlichkeit verlor und aufgeteilt wurde.

Die Anfänge der Kurpfalz datieren in das 12. Jahrhundert: 1156 gab Kaiser Friedrich Barbarossa seinem Halbbruder Konrad die südwestdeutschen Gaue als Lehen. Daraus entstand die Pfalzgrafschaft bei Rhein. Pfalzgrafen waren ursprünglich mittelalterliche Herrscher ohne feste Residenz. Sie organisierten in den überall im Reich verstreuten mittelalterlichen Herrschersitzen, den Pfalzen, Empfang, Beherbergung und Versorgung des umherreisenden Königs und seines Gefolges. Die materiellen Verhältnisse und damit verbundenen Machtansprüche der Pfalzgrafen waren anfangs eher bescheiden. Im Laufe des 13. und 14. Jahrhunderts gewann das Pfalzgrafenamt jedoch immer mehr an Bedeutung und Prestige. 1214 verlieh König Friedrich II. (1194-1250) die Pfalzgrafenwürde an das bayerische Adelsgeschlecht der Wittelsbacher, das sich später in eine bayerische und eine pfälzische Linie teilte. Die Wittelsbacher stellten von da an die rheinischen Pfalzgrafen und regierten die Pfalz bis zur Auflösung des Territorialstaates 1803.

1356 sprach Kaiser Karl IV. (1316-1378) in einer Urkunde, der berühmten "Goldenen Bulle", den Pfalzgrafen bei Rhein das so genannte Kurrecht zu . Damit stiegen die Pfalzgrafen zu Kurfürsten auf und erhielten das Recht, an der Wahl des deutschen Königs teilzunehmen. Den Höhepunkt ihres Bedeutungszuwachses erreichte die rheinische Pfalzgrafschaft im Jahr 1400: als erster rheinischer Kurfürst wurde Ruprecht III. (1352-1410) zum römisch-deutschen König gekrönt, die Königsherrschaft der Pfalzgrafen währte jedoch nur bis zu seinem Tod 1410.

Haupt- und Residenzstadt der Pfalzgrafen und späteren Kurfürsten war seit 1225 Heidelberg. 1386 gründete Kurfürst Ruprecht I. (1309-1390) die nach ihm benannte Heidelberger Universität und festigte damit die kulturelle Bedeutung des gesamten Territoriums. Die Pfälzer bauten das Heidelberger Schloss in den folgenden Jahrhunderten zu einer repräsentativen Anlage aus. An die kurfürstlichen Bauherren erinnern noch heute die Bezeichnungen einzelner Gebäudetrakte des Schlosses, so z.B. des "Friedrichsbaus", den Kurfürst Friedrich II. (1482-1556) im 16. Jahrhundert im Renaissance-Stil errichten ließ.

Zu den wichtigen Standorten der Kurpfalz gehörte auch Mannheim. Kurfürst Friedrich IV. hatte den Architekten Bartel Janson Anfang des 17. Jahrhunderts mit der Planung einer idealen Festungsstadt beauftragt. Janson entwarf zwei ineinander geschobene Festungssterne, einen für die Residenz des Kurfürsten und einen für die Bürgerstadt Mannheim. Auf Janson geht das noch heute charakteristische gitterförmige Straßennetz der Stadt zurück, das ihr den Namen "Quadratestadt eintrug". Seit 1607 besaß Mannheim Stadtprivilegien, die unter anderem das Ziel hatten zahlreiche Bürger anzulocken.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts setzte eine Zeit der Kriege und Zerstörungen ein.

Dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) ging die Krönung Kurfürst Friedrichs V. von der Pfalz (1596-1632) zum böhmischen König voraus. Er hatte mit seiner Entscheidung, die Königskrone anzunehmen, zu einer Ausbreitung der Konflikte von Böhmen auf das Reich beigetragen. Mit der Niederlage in der Schlacht am Weißen Berg 1620 verlor der politisch wie wirtschaftlich erfolglose Friedrich die Kurwürde und musste fliehen. Erst 1648 erhielt mit Karl I. Ludwig (1617-1680), dem Sohn Friedrichs V., wieder ein Kurfürst die Herrschaft über die nun von Krieg und Pest schwer gebeutelte Kurpfalz.

Die Vermählung seiner Tochter Liselotte von der Pfalz (1652-1722) mit Philipp I. Bourbon, Herzog von Orléans (1640-1701), dem Bruder des französischen Sonnenkönigs, führte dazu, dass Ludwig XIV. aus dieser Ehe Erbansprüche auf die Pfalz ableitete. Der Machthunger des Königs führte schließlich Ende der 1680er Jahre in den Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697). Französische Truppen richteten in diesem verheerenden Eroberungszug immense Zerstörungen in der Kurpfalz an. Heidelberg brannte vollständig nieder, von dem einst prächtigen Residenzschloss blieb lediglich eine riesige Ruine zurück. Auch Mannheim wurde dem Erdboden gleichgemacht.

Die Heidelberger Bürger gingen mit Eifer daran, sich auf den übrig gebliebenen Grundmauern ihrer zerstörten Häuser neue, barocke Gebäude zu errichten. Für den Kurfürsten Johann Wilhelm (1658-1716) kam ein Wiederaufbau der zerstörten Heidelberger Residenz im 18. Jahrhundert jedoch nicht in Frage. Er residierte stattdessen in Düsseldorf im Herzogtum Berg. Sein Bruder und Nachfolger, Kurfürst Carl III. Philipp war zunächst entschlossen, in das angestammte Schloss nach Heidelberg zurückzukehren Religiöse Streitigkeiten mit der Bürgerschaft führten dazu, dass Kurfürst Carl Philipp (1661-1742) sich 1720 entschloss, seine Residenz nach Mannheim zu verlegen. Er ließ die völlig zerstörte Stadt auf dem Quadrateschema wieder aufbauen und baute sich dort ein monumentales Barockschloss nach französischem Vorbild. Kurpfälzische Residenz blieb Mannheim allerdings nur bis zur Übersiedelung Carl Theodors (1724-1799) nach München 1778.

Der Ausbruch der französischen Koalitionskriege Ende des 18. Jahrhunderts bedeutete den Anfang vom Ende der Kurpfalz. Im Ersten Koalitionskrieg eroberte Frankreich die gesamten linksrheinischen Gebiete der Kurpfalz und teilte sie bis 1798 in vier Départements auf. Der Friedensschluss von Lunéville nach dem Zweiten Koalitionskrieg legte 1801 den Rhein als natürliche Grenze Frankreichs fest; außerdem vereinbarte man eine Entschädigung der rechten Rheinuferseite für die linksrheinischen Verluste. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss wurde die Kurpfalz 1803 schließlich aufgelöst.

In der Folge kamen die rechtsrheinischen Gebietsteile einschließlich der Städte Heidelberg, Mannheim und Schwetzingen an das von Karlsruhe aus regierte Großherzogtum Baden. Gebiete im Odenwald und an der Bergstraße mit Städten wie Viernheim und Heppenheim wurden, ebenso wie Rheinhessen mit Alzey und Oppenheim, Hessen-Darmstadt zugeschlagen und sind bis heute hessisch. Das heute als "Pfalz" bekannte linksrheinische Kernland der Kurpfalz um Ludwigshafen, Speyer, Landau und Worms kam 1815 zunächst als "Rheinpfalz" an das Königreich Bayern und gehört seit 1946 zu Rheinland-Pfalz.

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