Säkularisation

Vor 200 Jahren veränderte die Säkularisation den deutschen Südwesten: Nach den napoleonischen Kriegen gingen Gebäude, Ländereien und Vermögen der Klöster und Bistümer in staatlichen Besitz über. Die Auswirkungen reichen bis zum heutigen Tag – für die meist leer stehenden Gebäude mussten immer wieder neue Nutzungen gefunden werden. Auch das Schloss Mannheim war von der Eigentumsübernahme betroffen.

Tapisserie

Napoleon löste 1803 die Kurpfalz auf: Die rechtsrheinischen Gebiete, damit auch Mannheim, fielen an Baden. Das Mannheimer Schloss – seit 1720 Residenz der Pfälzischen Wittelsbacher – kam in den Besitz der badischen Großherzöge. Teile der kurpfälzischen Sammlungen und des Mobiliars gelangten nach München: Kurfürst Carl Theodor, der 1778 das Erbe seiner bayerischen Vettern angetreten hatte, war mit seinem Hof von Mannheim nach München umgesiedelt. 1804 hielt sich im Schloss der entthronte schwedische König Gustav IV. auf, der mit einer badischen Prinzessin verheiratet war. Dafür ließ man die unmodern gewordenen Räume im Schloss mit neuen Tapeten und mit Wandbehängen und Mobiliar aus dem Schlossinventar einrichten. Bis 1806 wurde es nur zu gelegentlichen Aufenthalten genutzt.

Musikzimmer

1806-1811 residierte das frischverheiratete Erzherzogspaar Karl von Baden und Stephanie de Beauharnais im Schloss. Da Stephanie katholisch war, ließ sie die Hauskapellen in den Schlössern von Karlsruhe und Mannheim neu ausstatten: mit Säkularisationsgut wie liturgischen Geräten aus den Beständen der Silberkammer, der Liebfrauenkirche und der Hofkirche in Bruchsal, des Speyrer Domschatzes sowie Messgewändern der Johanniterkommende Heitersheim. Erst 1819 kehrte Stephanie als Großherzoginwitwe ins Mannheimer Schloss zurück, bewohnte die ehemaligen fürstlichen Gemächer im westlichen Flügel und hielt prächtig Hof.

ehemalige Hofbibliothek

Nach dem Tod Stephanies im Jahr 1860 wurde die Hofhaltung aufgelöst. Es folgten verschiedene Verwendungen des Schlosses: als Schule und Kaserne, für Behörden wie das badische Oberhofgericht, Amtsgericht mit Amtsgefängnis, Staatsanwaltschaft mit Kriminalpolizei, Notariate und Dienstwohnungen. Die Kellerräume wurden zu Lagerzwecken für die verbliebenen kurpfälzischen Kunstsammlungen genutzt. Nachdem Großherzog Friedrich II. den Thronverzicht des badischen Hauses 1918 unterzeichnet hatte, gehörte das Schloss dem Freistaat Baden. 1926 eröffnete das Schlossmuseum. Die prunkvolle Schlossausstattung wurde 1944 ausgelagert, bevor Bombenangriffe das Mannheimer Schloss im Zweiten Weltkrieg zerstörten: Nur das Bibliothekskabinett blieb als einziger Raum von über 500 verschont.

Schloss Mannheim vor der Renovierung

Der Staat baute 1947 das Schloss nach dem historischen Vorbild wieder auf. Die ursprüngliche Innenraumaufteilung veränderte man bis auf die Schlosskirche, das Treppenhaus und den Rittersaal völlig. Das Bezirksbauamt zog 1948 ins Schloss. Es kamen noch das Finanzamt, das Landgericht und die Wirtschaftshochschule dazu. Seit 1967 - die Wirtschaftshochschule war inzwischen zur Universität erhoben worden - ist das Schloss Sitz der Mannheimer Universität.
Seit April 2007 erstrahlt das Barockschloss Mannheim in neuem Glanz. Es wurde die Enfilade in der Beletage wiederhergestellt und das Schloss erhielt sein Herzstück zurück. Mehrere hundert originale Objekte wie Möbel, Gemälde, Tapisserien, Porzellane und Uhren geben hier, in den Prunkräumen, die höfische Atmosphäre vergangener Tage wieder.

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Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook