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Oktober 2006
Alles neu!? Laufende Restaurierungen im Schloss


Das Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg fast komplett zerstört: Die Säle brannten nahezu vollständig aus. Nach dem Krieg entschloss man sich, nur den Außenbau des Schlosses historisch getreu wiederherzustellen. Die reichhaltige Innenausstattung war in alle Winde verstreut. Letztendlich erwies sich das als Glück, da das Inventar so nicht von dem großen Brand zerstört wurde. Nun jedoch werden die Schlossräume in der Beletage nach detaillierten Vorgaben wiederhergestellt.

Prunksilber der Großherzogin Stéphanie von Baden, Paris, 1811/12

Doch damit nicht genug: Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Restaurierung der Tapisserien, Gemälde und Möbel, die ab April 2007 in den neuen Prunkräumen zu bewundern sein werden. Viele der rund 800 Originalobjekte liegen zurzeit noch in den Depots der SSG. Die 243 Möbel und Holzobjekte, die 22 großformatigen Tapisserien, die 34 Gemälde, die 31 Porzellan- und 158 Metallobjekte werden von dort zu Spezialwerkstätten in ganz Deutschland gebracht, um von fachkundigen Händen restauriert zu werden. Das Ausmaß der Schäden ist zum Teil beträchtlich und die Anforderungen an die Restaurierung der kostbaren Objekte entsprechend hoch.

Tapisserie: Kirmes, Caspar von der Borght/Hieronymus le Clerk nach David Teniers II., Brüssel, 1701-1706

Einige Objekte, wie die bis zu 20 qm großen Tapisserien, reisen sogar ins Ausland. Im belgischen Mechelen, der einzigen europäischen Teppichmanufaktur, die Wirkteppiche dieser Größe reinigen kann, werden die Stücke von Verunreinigungen befreit und auf die Restaurierung in Deutschland vorbereitet.

Ein interessantes Objekt ist der goldene Konsoltisch, der vermutlich in Mannheim um 1750/55 vom damaligen Hofschreiner Matthäus van den Branden gefertigt wurde. Die Restauratorin widmet sich dem Prunkstück in liebevoller Detailarbeit. Mit viel Geduld und Fingerspitzengefühl nimmt sie die braune Farbschicht ab, um die darunter befindliche Vergoldung freizulegen. Mit Wattestäbchen reinigt sie jede Ecke der prächtig geschnitzten Rokoko-Ornamente und sichert die zum Teil gelöste Vergoldung. Das kostbare Gegenstück, ein mit Jagdszenen verzierter Tisch, wird von der Restauratorin nur konservierend behandelt.

Im Oktober/November können Sie eine spannende Vortragsreihe zu den Restaurierungsarbeiten an Exponaten und im Mannheimer Schloss verfolgen. Genauere Informationen finden Sie hier.

Weitere Informationen zu Mannheim
 
 
Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook