Countdown

Februar 2007

Von Sesseln, Sofas und der Sonne
Wenn kostbares Kunstgut kommt, muss das Klima stimmen!

Wöchentlich kehren seit Beginn diesen Jahres Hunderte an wertvollen Kunstobjekten in die ehemalige kurfürstliche Residenz zurück. Lange Jahre haben sie, sorgfältig gesichert und restauriert, im Badischen Generaldepot Karlsruhe auf ihre letzte Reise in die Kurpfalz warten müssen. In einem langsamen Zug bewegen sich die Transporteure mit verhüllten Sesseln in den Armen oder schweren Kommoden auf kleinen Rollbrettern durch den Gartensaal über den Aufzug in die Beletage im Obergeschoss.

Die Restauratorinnen Monika Bürger und Sabine Hartung wissen wo's lang geht. Die umfangreiche Planungsstudie des Oberkonservators der Staatlichen Schlösser und Gärten, Dr. Wolfgang Wiese, führt jedes Objekt mit Inventarnummer in den entsprechenden Grundrissen der Schlossräume auf. Und dementsprechend wird der nächste Transporteur mit Stuhl und fragendem Blick sogleich in den Gelben Salon dirigiert. In Luftpolsterfolie eingepackte Empire-Spiegel folgen und bilden eine eindrucksvolle Reihe an der Wand des Trabantensaals, der erstmals als Zwischenlager für einen Großteil der Objekte dient, bis nach und nach alles seinen Platz gefunden hat.

Die Restauratoren haben mittlerweile ganz anderes im Auge. Kritisch prüft Werner Hiller-König mit einem digitalen Temperatur- und Feuchtigkeitsmessgerät das Raumklima im Gelben Salon. 50,6% Luftfeuchtigkeit und eine Raumtemperatur von gut 20 Grad Celsius: „Kein schlechter Wert für das Mannheimer Schloss“, zeigt sich der Restaurator zufrieden und die Möbel dürfen ausgepackt werden.

Da Möbel, Gemälde und Tapisserien jeweils ganz eigene Klimaanforderungen haben, muss für ein ausgewogenes Mischklima gesorgt werden, dass für Kunstobjekte aus Holz, Leinwand, Textilien und Metall gleichermaßen geeignet ist. Eine echte Herausforderung! Benötigt Holz eine Luftfeuchtigkeit von 50% bis 60% so fühlen sich Textilien eher in einem Bereich von 40 % bis 50% wohl. Ist das Raumklima zu trocken, reißt das Holz, ist es zu feucht, bildet sich schnell Schimmel, erklärt der Restaurator für Metall, Glas und Keramik.

Durch leises Summen machen die „Helfer“ des Restauratorenteams auf sich aufmerksam. Klimatruhen wurden in den wieder hergestellten Schlossräumen eingebaut, die zentral gesteuert, die Luft bis zum Erreichen des Idealklimas befeuchten. In den momentan noch sehr trockenen Gängen sollen so bald wie möglich mobile Befeuchtungsgeräte zum Einsatz kommen. Anhand von Aufzeichnungsgeräten können später alle Klimadaten genau überprüft werden.

Auch eine andere unerwartete Herausforderung konnte bereits erfolgreich bewältigt werden. Obwohl die hohen Fenster bereits zu zwei Dritteln durch Vorhänge verhüllt wurden, gelang es der tief stehenden Wintersonne trotzdem, die empfindlichen Wandteppiche mit ihren Strahlen zu erreichen. Was für die einen romantische Sonnenkringel sind, ist für Textilrestauratorin Diane Lanz ein Horrorszenario, denn die leuchtenden Farben der Tapisserien bleichen durch den direkten Lichteinfall stark aus. Ebenso leiden die Furniere der Möbel unter der prallen Sonneneinstrahlung, denn sie dunkeln dabei sehr nach. Eine an den Fenstern angebrachte Spezialfolie hat nun wieder für einen Idealwert von 100 bis 200 Lux gesorgt. Und somit stimmen sie nun wieder – die Bedingungen...


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Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook