Mannheim ist eine auf dem Reissbrett entworfene Planstadt. Sie steht damit in einer Reihe mit anderen prominenten Stadtgründungen im deutschen Südwesten: Freudenstadt (1599), Rastatt (1699), Ludwigsburg (1709) und Karlsruhe (1715).
Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz (1574-1610) beauftragte den holländischen Festungsarchitekten Bartel Janson mit der Planung seiner Idealstadt. Bartel Janson folgte den für Planstädte geltenden Idealen der Renaissance, die stark von militärischen Aspekten geprägt waren. Er entwarf nach geometrischen Mustern das für Mannheim heute so charakteristische regelmäßige System: ein gitterförmiges Raster aus parallelen, rechtwinklig sich kreuzenden Straßen mit gleichförmigen Baublöcken um innenliegende Höfe. Auf Grund dieser Quadrate erhielt Mannheim auch den Namen „Quadratestadt“. Umgeben war die Stadt mit einem breiten sternförmigen Festungsgürtel aus vorspringenden Bastionen . Am nördlichsten Punkt dieses Festungssterns wurde eine Zitadelle als zweiter Festungsstern hinein geschoben. Sie beherbergte die Residenz für Kurfürst Friedrich IV., die nach ihm „Friedrichsburg“ benannt wurde. In der Zitadelle waren die Gebäude zunächst ringförmig angeordnet, die von Straßen, die strahlenförmig vom Mittelpunkt ausgingen, unterbrochen wurden.
Erbaut werden sollte die kurfürstliche Idealstadt im Mündungsdreieck Neckar-Rhein. Strategische und wirtschaftliche Überlegungen sprachen für diesen Ort. Die beiden Wasserstraßen boten zum einen Schutz nach drei Seiten und zum anderen günstige Voraussetzungen für den Handel. Noch dazu war das Gelände flach und man musste auf Unebenheiten keine Rücksicht nehmen. Das bisher hier vorhandene kleine unbedeutende Fischerdorf „Mannenheim“ mit seinen 700 Einwohnern wurde kurzerhand abgerissen und im „Jungen Busch“, der heutigen Unterstadt, wieder aufgebaut.
1607 erhielt Mannheim die Stadtprivilegien. Aus Frankreich emigrierende Hugenotten und wallonische Glaubensflüchtlinge wurden aufgefordert, sich in der neuen Stadt anzusiedeln. Dafür sprachen nicht nur religiöse, sondern auch wirtschaftliche und machtpolitische Gründe. Denn die politische Macht eines Territoriums sah man in Abhängigkeit von der Bevölkerungszahl. Daher war die „Peublierung“ eine wichtige Maxime der Territorialstaaten. Zusätzlich wurde den Hugenotten Gewerbefleiß nachgesagt und so hoffte man durch ihre Ansiedlung auf wirtschaftlichen Aufschwung.
Wie viel von Bartel Jansons Plänen tatsächlich verwirklicht wurde, ist unklar. Denn 1622, während des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648), erfolgte die Zerstörung von Stadt und Festung. Im weiteren Verlauf des Krieges war Mannheim noch mehrfach Besetzungen und Verwüstungen ausgesetzt. Den anschließenden Wiederaufbau förderte Kurfürst Karl I. Ludwig (1617-1680) mit verschiedenen Gewerbe- und Handelsprivilegien, worauf wallonische und niederländische Calvinisten nach Mannheim kamen. Für den Wiederaufbau der Bürgerstadt waren Modellhäuser vorgeschrieben. Diese verfügten je nach Standort und Bevölkerungsschicht über unterschiedliche Standards, vom repräsentativen, Platz beherrschenden Gebäude bis zum schlichten Haus ohne Zierformen. In der Zitadelle ließ Kurfürst Karl I. Ludwig 1663/64 einen einfachen Schlossbau errichten, der seine Repräsentationsbedürfnisse aber nicht befriedigte. 1670 entwarf Jean Marot daher für den Kurfürsten ein prächtiges Schloss. Obwohl das Bauprojekt auf Grund erneuter Kriegswirren nie zur Ausführung kam, war der Entwurf des französischen Architekten richtungsweisend für den europäischen Schlossbau des späten 17. und 18. Jahrhunderts.
Im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) zerstörten französische Truppen 1689 Mannheim erneut. Anschließend forderte Kurfürst Johann Wilhelm (1658-1716) zum Wiederaufbau auf. Auch er versuchte mittels Privilegien die geflohenen Bürger zur Rückkehr zu bewegen und neue Zuwanderer anzuziehen. Die Zitadelle Friedrichsburg wurde nicht mehr aufgebaut, sondern man vereinte ihre Fläche 1709 mit der Stadt Mannheim. Das rechtwinklige Straßen- und Blocksystem fand übergangslose Fortführung im Bereich der ehemaligen Zitadelle. Als „Kopf“ der ganzen Stadtanlage baute Kurfürst Carl Philipp ab 1720 die neue Residenz. Er ließ die Eingänge der Schlossanlage auf die Straßen der Stadt ausrichten, so dass die Anlage von nun an das perspektivische Ziel von sieben der elf städtischen Parallelstraßen bildete.
Mit dem Baubeginn der neuen Residenz verlegte Kurfürst Carl Philipp die Hofhaltung und die Regierung von Heidelberg nach Mannheim. Es war von nun an Residenzstadt der Kurpfalz.
Download Pressetext (doc-Datei)
Wir würden uns über die Zusendung eines Belegexemplares freuen.
Haben Sie noch Fragen?
Rufen Sie uns doch einfach an (0711) 666 01 - 38
Faxen Sie uns (0711) 666
01 - 86
Schicken Sie uns eine E-Mail
Staatsanzeiger für Baden-Württemberg GmbH
Postanschrift: Postfach 10 43
63, 70038 Stuttgart