Auf den Spuren der Kurfürsten und Großherzögen – Die Wiedereinrichtung der Prunkräume der Beletage im Barockschloss Mannheim
Die einstigen Prunkräume der Beletage des Residenzschlosses, in dem die kurpfälzischen Fürsten und badischen Großherzöge früher logierten, sollen die Besucher ab April 2007 so anschaulich wie möglich erleben. Doch woher weiß man, wie diese Herrschaften sich einrichteten, wenn die ursprüngliche Ausstattung und Gestaltung durch Umnutzungen und Modernisierungen im jeweiligen Zeitgeschmack verändert wurde oder durch Kriegszerstörung sogar ganz verloren ging?
Für Schloss Mannheim sind erfreulicherweise Schlossinventare aus den Jahren 1731 bis 1888 erhalten. Sie geben Raum für Raum Auskunft über dessen historische Ausstattung: von den Möbeln über Gemälde und Tapisserien bis hin zu einzelnen Vasen. Mehrere Hundert der in diesen Inventaren aufgeführten Objekte haben sich erhalten. Wo und wie die Stücke in den Räumen platziert waren, zeigen historische Aufnahmen des 19. Jahrhunderts, wie die des Thronsaals aus dem Jahre 1897. Gemeinsam ermöglichen Inventare und Fotografien eine Rekonstruktion der früheren Ausstattungen zahlreicher Räume.
Auf verschiedenen Plänen werden die Aufstellung der reich verzierten Sessel und des kostbaren Porzellans sowie die Aufhängung der prächtigen Tapisserien und Gemälde der ursprünglichen Ausstattung nachempfunden, um ein möglichst authentisches Bild der damaligen Zeit zu erreichen. Auf der Grundlage von Plänen erfolgt die tatsächliche Einrichtung. Zeitentsprechende Spiegel, Kandelaber und Konsoltische ergänzen das überaus prächtige Ambiente und machen das Gesamtkunstwerk komplett.
Das besondere Prunkstück des Thronsaals ist der originale Thronsessel. Seine zentrale und erhöhte Stellung prägt wesentlich das Ambiente des Saals. Verstärkt wird die Symbolik und Wirkung des Throns durch den prächtigen Baldachin und die flankierenden Säulen, die den Thronsaal heute als originalgetreue Nachbildungen zieren.
Schwieriger gestaltet sich die Präsentation der Räume, die für eine komplette Rekonstruktion nicht ausreichend dokumentiert sind. In diesen Fällen versucht man sich durch Abstraktionen der ursprünglichen Optik anzunähern. Wie auch im "Gelben Saal" werden die Strukturen der ehemaligen Wanddekoration vereinfacht wiedergegeben, um so bewusst zwischen Rekonstruktion und Original zu unterscheiden. Bei der neuen Einrichtung vervollständigt Mobiliar aus dem zeitlichen und räumlichen Umfeld, insbesondere Stücke des 18. und 19. Jahrhunderts aus kurpfälzischen und badischen Werkstätten, den historischen Gesamteindruck.