Ein kahles, leeres Schloss? Kaum vorstellbar! Natürlich waren die Räume des Mannheimer Barockschlosses prächtig eingerichtet. Sowohl Kurfürst Carl Philipp als auch sein Nachfolger Carl Theodor gestalteten ihre Residenz nach der neuesten Mode und dem Vorbild von Versailles. Die nächste langjährige Bewohnerin Mannheims, Großherzogin Stéphanie von Baden, richtete ihre Räume im Empire- und Biedermeier-Stil ein. Doch die ehemaligen Ausstattungen sind schon lange nicht mehr in Mannheim.
Doch womit kann man nun heute die leeren Räume füllen? Langjährige (Forschungs-)Arbeit und Angebote auf dem Kunstmarkt machen es möglich. Immer wieder werden Kunstwerke zum Verkauf angeboten, bei denen man nachweisen kann, dass sie zur alten Schlossausstattung gehören. Die ehemaligen Standorte der Originale in den Räumen können anhand von Schlossinventaren, Archivalien und historischen Fotografien meistens genau bestimmt werden.
Dies gelang besonders 1995 bei der Auktion der markgräflich-badischen Kunstsammlungen. Offensichtlich waren zahlreiche Einrichtungsgegenstände aus der Mannheimer Zeit der Großherzogin Stéphanie im Familienbesitz geblieben. Die Staatlichen Schlösser und Gärten konnten viele Prunkmöbel, Porzellane, Uhren und Gemälde, die aus dem Mannheimer Schloss stammten, erwerben. Herausragend: Insgesamt 21 Tapisserien, die einst die „Kaiserzimmer“ der Residenz schmückten und seit über 70 Jahren als verschollen galten.
Im Depot der Staatlichen Schlösser und Gärten – zahlreiche Räume auf drei Etagen (rund 3.000 qm) – schlummern Mannheimer Kunstschätze momentan noch unter Stoffhüllen und in Stahlschränken. Sie konnten durch wissenschaftliche Recherche als Originale aus dem Mannheimer Residenzschloss bestimmt werden. Ob spektakuläre Ankäufe aus dem Kunstmarkt oder kleine feine Entdeckungen im Depot – alle Objekte warten nun auf den großen Auftritt in den wiederhergestellten Prunkräumen des Barockschlosses Mannheim.