In einem verborgenen Winkel im Erdgeschoss des Barockschlosses Mannheim liegt die reizvolle, noch weitgehend originale, Privatbibliothek der Kurfürstin Elisabeth Augusta. Beim Eintritt beeindruckt das spielerische Miteinander von Architektur, Malerei und Ornamentik. Trotz reichster Ausstattung wirkt der Raum nicht überladen.
Nicolas de Pigage entwarf 1755 diesen anmutigen Raum im Stil des Rokoko. Die Holzschnitzereien für die Wanddekoration schufen die Hofbildhauer Augustin Egell und Johann Matthäus van den Branden. Nach Vollendung der Stuckarbeiten durch die Werkstatt des Giuseppe Antonio Albuccio führte der Direktor des Malereikabinetts, Philipp Hieronymus Brinkmann, die in Rosé und hellem Grün gehaltenen duftigen Malereien aus. Es folgten die Gemälde auf den Wandverkleidungen und zum Schluss der kunstvolle Parkettfußboden aus der Werkstatt des Kabinettschreiners Frank Zeller.
Die Hofkünstler und Hofkunsthandwerker schufen hier eine irreale Welt. Darstellungen von Musen, allegorischen Bildern und Szenen aus dem Bereich der Erotik verströmen eine heitere und sinnliche Atmosphäre. Geistvoll und fröhlich ist die Stimmung, die sich vor allem aus dem zentralen Deckenbild ablesen lässt.
Verglichen mit der untergegangenen großen Schlossbibliothek ist die Kabinettsbibliothek ein ganz intimes Refugium. Hierher konnte sich die Kurfürstin vom Hofleben zurückziehen und Vertraute empfangen. Heute ist die Kabinettsbibliothek der einzige von mehr als 500 Räumen, der bei den Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg von größeren Schäden verschont blieb und heute im nahezu ursprünglichen Zustand erhalten ist.