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Barockschloss Mannheim - Baugeschichte

Kurfürst Carl III. Philipp von der Pfalz (1661-1742) legte 1720 den Grundstein für den größten Schlossbau Deutschlands: 450 Meter misst die Fassade der spätbarocken Anlage des Residenzschloss Mannheim und ist damit gleichzeitig das zweitgrößte Barockschloss Europas. Carl Philipp errichtete sich diese überaus prächtige Residenz nach dem Vorbild von Versailles mit der Verlegung seines Hofes von Heidelberg nach Mannheim. Sie sollte, ganz nach absolutistischer Auffassung, Mannheim in den Mittelpunkt des kurfürstlichen Hoheitsgebietes rücken und Carl Philipps überragende Stellung als Reichsfürst unterstreichen.

Der Architekt Louis Remy de la Fosse entwarf vermutlich die ersten Pläne für das ehrgeizige Projekt des Kurfürsten. Die mit dem weiteren Verlauf des Baus beauftragten Baumeister nahmen allerdings zahlreiche Änderungen vor. Zu den führenden Architekten gehörten Johann Clemens Froimon, Guillaume d'Hauberat und Nicolas de Pigage. Die beiden letzteren wirkten auch bei der Gestaltung des Schwetzinger Schlosses und des Gartens mit.

Der bis 1725 tätige Froimon erreichte die Fertigstellung des Corps de Logis, des zentralen Hauptbaus und der Ehrenhofflügel. Sein Nachfolger Guillaume d'Hauberat war hauptsächlich damit beschäftigt, bereits begonnene Räume fertig zu stellen. Eine Hauptaufgabe war die Innenausstattung des repräsentativen Rittersaals, eines zweigeschossigen Prachtraums für Feste und Konzerte. Zu seinen Aufgaben gehörte aber auch die Gestaltung des Prunktreppenhauses mit doppelter Stiege, die zu den größten Treppenanlagen im deutschen Schlossbau zählt. Dieses wichtige Attribut fürstlicher Machtdemonstration diente nicht nur als Symbol des Kunstverständnisses des Herrschers, sondern auch der Präsentation des Hofstaats und dem Empfang von Gästen. Für die reiche Stuckausstattung des Treppenhauses wurde der Hofbildhauer Paul Egell engagiert. Die Deckenmalereien stammten von dem berühmten Münchner Barockkünstler Cosmas Damian Asam. Er übernahm auch den Auftrag für die prachtvollen Fresken in der Schlosskirche, die 1731 eingeweiht wurde. Im selben Jahr konnte der Kurfürst bereits seine Prunkgemächer im westlichen Corps de Logis beziehen. Auch hier war nicht an reicher und aufwändiger Ausstattung gespart worden: der italienische Künstler Giorgio Feretti hatte ein Gesamtkunstwerk aus stuckierten Reliefs und Figuren geschaffen. Wertvolle Gobelins und Tapisserien, Möbel aus massivem Silber, Spiegel zur optischen Vergrößerung der Räume und Fußböden mit kunstvollen Einlegearbeiten ergänzten das überaus reiche und kostbare Ambiente.

Alessandro Galli da Bibiena, Bologneser Theaterarchitekt und seit 1741 Oberbaudirektor, leitete 1737 und 1742 den Ausbau des westlichen Querflügels mit kurfürstlicher Hofoper und Ballhaus. Als eines der modernsten Theater seiner Zeit bot das Opernhaus Platz für etwa 2000 Zuschauer. Die Einweihung fand am 17. Januar 1742 anlässlich der Doppelhochzeit von Elisabeth Auguste, der Enkelin Carl Philipps, mit Carl Theodor und ihrer Schwester Marie Anna mit dem Herzog von Bayern statt. Bibiena war auch für den Bau der Jesuitenkirche in unmittelbarer Nähe des Schlosses verantwortlich. Kurfürst Carl Philipp und später Carl Theodor finanzierten den Bau der barocken Kirche, denn sie sollte nach ihrer Fertigstellung dem Hof für Repräsentationszwecke dienen.

Als Carl Philipp 1742 starb, waren etwa zwei Drittel der Schlossanlage fertig gestellt.

Seinem Nachfolger Carl Theodor (1724-1799) blieb es überlassen, die Mannheimer Residenz zu vollenden. Zusammen mit seiner Gemahlin Elisabeth Auguste bewohnte er seit der Regierungsübernahme die Prunkgemächer im Westteil des Corps de Logis. Mit Carl Theodors Herrschaft begann eine kulturelle Blütezeit am Mannheimer Hof: Der musisch begabte Kurfürst spielte selbst Flöte und Cello und förderte mit Vorliebe neue künstlerische und wissenschaftliche Einrichtungen . In seiner Regierungszeit fällt bezeichnenderweise der Ausbau der Malereikabinette . Bis zur Fertigstellung der Gemäldegalerie boten sie als Präsentationsräume Platz für die mehrere tausend Werke umfassenden fürstlichen Sammlungen. Gleichzeitig trieb er den Innenausbau der umfangreichen Hofbibliothek im Ostteil des Schlosses voran, heute Aula der Universität. Im selben Gebäudetrakt boten mehrere Räume Platz für die fürstliche Münzsammlung, die Antikensammlung und ein Naturalienkabinett mit zahlreichen Gesteinsarten und ausgestopften Tieren.

Nachdem Carl Theodor 1778 mitsamt seinem Hofstaat Mannheim verlassen hatte, um in München die bayerische Erbfolge anzutreten, verlor Mannheim als kulturelles Zentrum an Bedeutung. Auch wurde ein Großteil des kostbaren Schlossinventars nach München überführt. Später vermachte der Nachfolger Carl Theodors, der pfalz-bayerische Kurfürst Max IV. Joseph, Reste der Hofbibliothek, des Naturalienkabinetts und der Antiquitätensammlung der Stadt Mannheim, die sie in einer Schenkung dem badischen Landesherrn übertrug. Die kurfürstlichen Sammlungen an Kupferstichen, Zeichnungen und Gemälden gelangten 1795 während der Kriegswirren nach München und zählen heute dort zum Bestand der Staatlichen Graphischen Sammlung in der Alten Pinakothek.

Während des Ersten Koalitionskriegs (1792-1797) wurde Mannheim von französischen Truppen eingenommen. 1795 konnten Koalitionstruppen die Stadt zurückerobern, jedoch nicht ohne durch ihre Beschießung schwere Schäden an Ballhaus, Hofoper und Gerichtsgebäude zu verursachen. Im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 fiel Mannheim an das Haus Baden. Von 1806 bis 1811 bewohnten der badische Erbprinz Carl Ludwig Friedrich (1786-1818) und seine Gemahlin Stéphanie de Beauharnais (1789-1860) das Schloss. Von der kurfürstlichen Ausstattung war nur wenig im Schloss verblieben, daher ergänzte Carl Ludwig Friedrich den Restbestand mit Neuerwerbungen. Der Initiative seiner Gattin ist es zu verdanken, dass 1808 ein bislang nicht realisiertes Vorhaben Carl Theodors verwirklicht wurde: die Anlage einer Gartenanlage im englischen Stil. Für den Entwurf hatte der verstorbene Kurfürst damals den berühmten Gartenarchitekten Friedrich Ludwig von Sckell auserkoren, der unter anderem auch für den Engli schen Garten in München und die Landschaftsteile des Schwetzinger Schlossgartens verantwortlich war. Auf Stéphanie geht auch die Renovierung mehrerer Schlossräume zurück: sie ließ neue Wanddekorationen mit Pilastern und antikisierenden Motiven entwerfen und stattete die Gemächer mit modernen Möbeln im französischen Empirestil und einem luxuriösen Prunkbett aus. 1811 übernahm Carl Ludwig Friedrich die Regierung des Großherzogtums. Das Paar übersiedelte ins Karlsruher Schloss. Nach dem Tod Carl Ludwig Friedrichs 1818 im Schloss Rastatt kehrte Stéphanie nach Mannheim zurück, denn das Schloss war bereits in ihrem Ehevertrag als Witwensitz festgelegt worden. Als sie 1860 starb, wurde die Hofhaltung in Mannheim aufgelöst und ein Großteil der Anlage anderen Zwecken zugeführt.

Das Schloss wurde in der Folge von verschiedenen Einrichtungen genutzt, unter anderem beherbergte es eine Schule und das Amtsgericht. Seit 1926 konnte man in einem neu eingerichteten Schlossmuseum die städtischen Sammlungen und die ehemaligen kurfürstlichen Prunkräume bestaunen, bevor die Bomben des Zweiten Weltkriegs Stadt und Schloss in Schutt und Asche legten. Nach dem Krieg wurde zunächst der Abbruch der Schlossruine zugunsten einer neuen Verkehrsplanung diskutiert. Glücklicherweise konnte diesmal der Modernitätsgedanke nicht die Oberhand gewinnen, dem im 19. Jahrhundert bereits der Schlossgarten zum Opfer gefallen war. Man entschied sich 1945 letztendlich für einen Wiederaufbau, der sich beim äußeren Erscheinungsbild weitgehend am historischen Vorbild orientierte und das Innere zweckmäßig entsprechend der späteren Nutzung als Behördensitz und Universität veränderte. Nur im Mittelbau wurden die prunkvolle Zentraltreppe und der repräsentative Rittersaal originalgetreu rekonstruiert.

Der letzte Umbau hat den Schlossmittelbau mit dem Mansardendach wieder in seiner historischen Form gestaltet. Mit den wieder hergestellten Prunkräumen in der Beletage, einem neuen Schloss-Museum im Erdgeschoss und einer erweiterten Universitätsbibliothek präsentiert sich das Schloss rechtzeitig zum Stadtjubiläum 2007 in neuem Glanz.

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