Anekdoten

Treppenhaus

Fürstlicher Empfang

Über den Empfang eines ausländischen Gesandten in Schloss Mannheim berichten Akten aus dem Jahr 1768: Nachdem man ihn mit einer sechsspännigen Galakutsche abgeholt hatte, fuhr diese durch das Tor ins Schloss, wo er an der untersten Stufe der Treppe von Höflingen begrüßt wurde. Auf dem ersten Treppenpodest standen die Kammerherren, am Ende der Prunktreppe der Obristhofmarschall. Dieses gesamte Gefolge begleitete den Gesandten durch ein Spalier der kurfürstlichen Leib- und Schweizergarde zum Trabantensaal. Dort befanden sich sämtliche Pagen, Wachen und Lakaien sowie der Obristkämmerer, der den Gast durch das kurfürstliche Appartement, in dessen Zimmern sich der gesamte Hofstaat versammelt hatte, zur Audienz beim Kurfürsten führte.

Intarsienbild

Mannheim im Dichterwort

„Drum hab ich gewünscht, es solle sich Herrmann auf Reisen

Bald begeben und sehen zum wenigsten Straßburg und Frankfurt

Und das freundliche Mannheim, das gleich und heiter gebaut ist;

Denn wer die Städte gesehen, die großen und reinlichen, ruht nicht,

Künftig die Vaterstadt selbst, so klein sie auch sei, zu verzieren.“

Johann Wolfgang von Goethe, Herrmann und Dorothea, 1798

Supraporte im Roten Saal

Demütige Würmer

Der Vortrag von Max Seubert über „Mannheims erste Blütezeit unter Carl Theodor“ aus dem Jahr 1890 gibt uns anhand der Schrift eines Anonymus Einblick in das Leben bei Hofe: „Der Hof besteht aus ungefähr 100 Edelleuten, welche die jüngsten in ihrem Geschlecht sind und weiter keinen Zuschuss haben, als die Wohltaten des Fürsten. Sie getrauen sich nicht einmal, in Gegenwart des Quinsiborne (vielleicht der Graf von Nassau) die Augen aufzuschlagen und sind viel demütiger als die Würmer, die auf den Blättern, die sie benagen, herumkriechen. Diese Herren bezwacken den guten Fürsten, so lang sie können, ohngeachtet sie noch dazu gut bezahlt sind, dass sie mitessen...“

Mosaikpflasterboden

Fundsachen aus der Schlossgeschichte

Im Jahr 1998 stießen Fachleute des damaligen Staatlichen Hoch- und Universitätsbauamts Mannheim im Gartensaal des Mannheimer Schlosses auf überraschende Funde. Zunächst fand sich ein Entwässerungsgraben, dann Telefonkabeltrassen aus den 50er-Jahren und Reste einer Abschmiergrube für Kraftfahrzeuge, die in den Boden gegraben war. Auch historische Überreste gab es zuhauf: insgesamt 161 Einzelfunde, von Fossilien aus dem kurfürstlichen „Kabinett der natürlichen Historie“ über Bruchstücke der Prunktreppe bis zu Lederteilen, die wohl aus der Zeit stammten, als sich hier eine Kutschendurchfahrt und Aufenthaltsräume für das kurfürstliche Personal befanden.

Mozart in Mannheim

„Gott Lob und Dank, dass ich wieder in meinem lieben Mannheim bin. Ich versichere, wenn Sie hier wären, würden Sie das nämliche sagen. Ich habe noch, so lange ich hier bin, nicht zu Hause gespeist, denn es ist recht das Geriss um mich; mit einem Wort, wie ich Mannheim liebe, so liebt auch Mannheim mich“ ... schreibt Wolfgang Amadeus Mozart am 12. November 1778 an seinen Vater Leopold. Seine Hoffnung auf eine Stellung erfüllte sich jedoch nicht.

Tapisserie aus der Neuindien-Serie

Wertvolle Gobelins als Mottenmahlzeit

Schloss Mannheim beherbergt prächtige Gobelins, die zum Teil mehr als vier Meter Kantenlänge messen. Diese kostbaren Stücke mit exotischen Szenen wurden Ende des 18. Jahrhunderts in der königlichen Gobelinmanufaktur in Frankreich hergestellt. Die Tapisserien mussten Ende vergangenen Jahrhunderts einer sorgfältigen Restaurierung unterzogen werden. Eisig wird es dabei, wenn sich noch lebende Motten zeigen. Dann wird der gesamte Teppich eingefroren, denn bei minus 30 Grad Celsius überleben weder die Kleinschmetterlinge noch ihre Brut.

Großherzogin Stephanie

Eine neue Prinzessin bei Hofe

Der Dichter Johann Peter Hebel beschreibt die 16jährige Stephanie Napoleon, die als Braut des Erbprinzen Carl im Juli 1806 an den Hof kam: „...die neue Prinzessin hat gestern, als sie die Aufwartungen von uns annahm, allgemein überrascht und jedermann für sich gewonnen. Im einfachen weißen Gewand, mit einigen Blumen im Geflecht der Haare, die man spitzbübischerweise für roth ausgegeben hatte, da sie doch bräunlich sind, stand sie mit mehr jugendlicher und jungfräulicher Anmut als mit fürstlicher Würde ungezwungen, unverlegen da... Sie hat mittelmäßige Größe, gegen das kleine hinneigend, ein gesundes Aussehen, ein bedeutendes Auge und wurde von den meisten als schön gehalten... Von Temperament soll sie sehr lebhaft und fröhlich sein, eine Virtuose am Klavier...“.

Das Mannheimer Zeugheus mit Blitzableitern Hemmers

Blitz und Donner

Kurfürst Carl Theodor verfügte, dass alle Schlösser und Pulvertürme mit dem von Johann Jakob Hemmer, Ordinarius am Mannheimer Lehrstuhl für Experimentalphysik, erfundenen fünfspitzigen Blitzableiter versehen werden. In Schloss Mannheim gab es auch eine kleine meteorologische Station: Man notierte täglich Wetterlage, Windrichtung, Windgeschwindigkeit, Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Die 1780 gegründete Meteorologische Gesellschaft beschäftigte sich mit Wettervorhersagen und wertete die zu festen Beobachtungsstunden gewonnenen Daten aus.

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